Konferenz 2020

Zwischen Rechtsstaatlichkeit und Kommerzialisierung – die Rolle von Anwaltschaft und Legal Tech

Bericht

„Zwischen Rechtsstaatlichkeit und Kommerzialisierung – die Rolle von Anwaltschaft und Legal Tech“ – unter diesem Generalthema wurde am 13. November 2020 die Frage, wie sich Legal Tech auf den Zugang zum Recht und die Anwaltschaft auswirkt interdisziplinär beleuchtet, ebenso wie kontrovers diskutiert. Gerade die Covid-19-Pandemie zeigt uns allen auf, weshalb es wichtig ist, sich mit der Digitalisierung im Hinblick auf die Rechtsstaatlichkeit, die Justiz und die Anwaltschaft auseinanderzusetzen.
Das dritte Jahr in Folge richtete die Bundesrechtsanwaltskammer (BRAK) gemeinsam mit dem Institut für Prozess- und Anwaltsrecht (IPA) der Juristischen Fakultät der Leibniz Universität Hannover die Konferenz „Anwaltschaft im Blick der Wissenschaft“ aus. Zum ersten Mal konnte nicht in den 14. Stock des Conti-Hochhauses der Juristischen Fakultät Hannover geladen werden. Über 130 Teilnehmerinnen und Teilnehmer wurden am 13. November 2020 digital zur Konferenz begrüßt: Sowohl Prof. Dr. Christian Wolf, Geschäftsführer des IPA, als auch Dr. Ulrich Wessels, Präsident der BRAK, ließen es sich als Konferenz-Gastgeber nicht nehmen alle digital Anwesenden willkommen zu heißen. Die Bedeutung der Zusammenarbeit zwischen BRAK und dem IPA für das anwaltliche Berufsrecht sowie den Austausch zwischen Wissenschaft und der Praxis betonte der Präsident der Leibniz Universität Hannover Prof. Dr. Volker Epping in seinem Grußwort. Die Tagesleitung wurde von BRAK-Vizepräsident André Haug übernommen.
 
Als Keynote Sprecherin wurde Dr. Yvonne Ott, Richterin des Bundesverfassungsgerichts, zu dem Thema „Die Rolle der Anwaltschaft (und der Justiz) beim Zugang zum Recht“ gewonnen. Der erste Themenblock befasste sich mit der Kommerzialisierung des Rechts aus gleich mehreren Blickwinkeln: aus der Sicht eines Prozessfinanzieres (Thomas Kohlmeier, Managing Partner des schweizer Prozessfinanzierungsunternehmens Nivalion), der freiberuflich tätigen Ärzte (Prof. Dr. Karsten Scholz, Bundesärztekammer, Berlin/Hannover) und den Wirtschaftswissenschaften (Prof. Dr. Isabell Welpe, Technische Universität München). In dem zweiten Themenblock wurde die Rechtsfindung als Dialog und die Rolle der Anwaltschaft aus sprachwissenschaftlicher (Dr. Janine Luth, Europäisches Zentrum für Sprachwissenschaften, Heidelberg) und verfassungsrechtlicher Sicht (Prof. Dr. Thomas Wischmeyer, Universität Bielefeld) näher beleuchtet. Der dritte Themenblock behandelte den Einfluss von Legal Tech auf die Rechtsfindung aus der Sicht eines Unternehmens (Michael Friedmann, QNC, Hannover) sowie aus rechtlich-philosophischer Sicht (Paul F. Nemitz, European Commission – Directorate-General for Justice and Consumers, Brüssel).
Zur Podiumsdiskussion leitete Prof. Dr. Christian Wolf thematisch mit fünf Thesen zu verbrauchergerechten Angeboten im Rechtsdienstleistungsmarkt über: (1) Das Recht schützt die Schwachen, (2) Der Anwaltsmarkt muss im Ganzen betrachtet werden, (3) 2.000,- EUR sind keine Peanuts (4) Kein Erfolgshonorar ohne Strafschaden (5) Zugang zum Recht setzt volle Kompensation voraus.
Die Podiumsdiskussion wurde von Corinna Budras, Frankfurter Allgemeine Zeitung, zum Thema „Zwischen Rechtsstaatlichkeit und Kommerzialisierung – die Rolle von Anwaltschaft und Legal Tech“ moderiert. Kontrovers diskutiert haben Rechtsanwältin Dr. Birte Lorenzen, Hamburg (RDG-Ausschuss der BRAK), Paul F. Nemitz, Brüssel (Chefberater der Generaldirektion der EU Justiz und Verbraucher), Rechtsanwalt und Notar Herbert P. Schons, Duisburg (Präsident der Rechtsanwaltskammer Düsseldorf), sowie Rechtsanwalt Björn Frommer, München.
Zum zweiten Mal fand begleitend zur Konferenz ein Posterwettbewerb für junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zum anwaltlichen Berufsrecht statt. Dieses Jahr wurden die Poster nicht nur im Rahmen der Konferenz, sondern bereits im Vorfeld auf der Konferenz-Homepage, begleitet von einem kleinen Podcast, vorgestellt. Siegerin des Wettbewerbs, gekürt durch eine Fachjury und ein Publikumsvotum, ist Lena Özman (wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Arbeits- und Wirtschaftsrecht der Universität zu Köln). Mit ihrem Poster zur „Anwaltlichen Unabhängigkeit des Syndikusrechtsanwalts nach §§ 1, 3 Abs. 1, 43a Abs. 1 i.V.m. § 46c Abs. 1 BRAO und ihren Folgen” überzeugte die Nachwuchswissenschaftlerin und wurde mit dem BRAK-Preis ausgezeichnet.  
 
Ein ausführlicher Konferenzbericht wurde im BRAK-Magazin (6/2020) von unserer wissenschaftlichen Mitarbeiterin Nadja Flegler und Dr. Tanja Nitschke (Geschäftsführung BRAK) unter dem Titel „Ein guter Ort für offenen Diskurs” veröffentlicht und kann unter folgendem Link abgerufen werden: https://www.brak-mitteilungen.de/flipbook/magazin/

Der Ablaufplan Bericht aus dem BRAK-Magazin zur vergangenen Konferenz

Die Redner

André Haug

Vizepräsident der Bundesrechtsanwaltskammer / Rechtsanwalt, Mannheim

Tagungsleitung

    Professor Dr. Christian Wolf

    Universität Hannover

    Begrüßung

      Professor Dr. Volker Epping

      Universität Hannover

      Grußwort

        Dr. Ulrich Wessels

        Präsident der Bundesrechtsanwaltskammer / Rechtsanwalt und Notar, Münster

        Grußwort

          Dr. Yvonne Ott

          Richterin des Bundesverfassungsgerichts, Karlsruhe

          Keynote: Die Rolle der Anwaltschaft (und der Justiz)
          beim Zugang zum Recht

            Thomas Kohlmeier

            Nivalion, Zug

            Kapitalmärkte als Treiber neuer Entwicklungen
            im Zugang zum Recht – Fluch oder Segen?

              Prof. Dr. Karsten Scholz

              Bundesärztekammer, Berlin/Hannover

              Medizinische Versorgungszentren – Modell oder Gefahr
              für Freiberufler?

                Prof. Dr. Isabell Welpe

                Technische Universität München

                Gerechtigkeit schaffen wollen – intrinsische Motivatoren

                  Dr. Janine Luth

                  Europäisches Zentrum für Sprachwissenschaften, Heidelberg

                  Die Rolle der Anwaltschaft bei der Rechtsfindung

                    Prof. Dr. Thomas Wischmeyer

                    Universität Bielefeld

                    Das Menschenbild im gerichtlichen Verfahren und rechtliches Gehör

                      Sven Lastinger

                      PayPal, Berlin

                      PayPal: Streitschlichtung – und wo geht das hin?

                        Paul F. Nemitz

                        European Commission – Directorate-General for Justice and Consumers, Brüssel

                        Das Menschenbild des Rechts und Legal Tech

                          Dr. Birte Lorenzen

                          Rechtanwältin, Hamburg

                          Podiumsdiskussion

                            Herbert P. Schons

                            Rechtsanwalt und Notar, Duisburg / Präsident der Rechtsanwaltskammer Düsseldorf

                            Podiumsdiskussion

                              Björn Frommer

                              Rechtsanwalt, München

                              Podiumsdiskussion

                                Björn Frommer

                                Rechtsanwalt, München

                                Podiumsdiskussion

                                  Corinna Budras

                                  Frankfurter Allgemeine Zeitung

                                  Podiumsdiskussion (Moderation)

                                    Dr. Thomas Remmers

                                    Rechtsanwalt und Notar / Vizepräsident der BRAK und Präsident der RAK Celle

                                    Schlusswort

                                    Die Konferenz in Bildern

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